Es geschah, als sie durch die Städte kamen, wo Juden waren, da sprachen sie bei sich: 'Wohlan, wir haben uns aufgemacht, unsere Rache an den Ismaeliten zu vollziehen, dabei sind es doch die Juden, die ihn getötet und ans Kreuz geschlagen haben.'" So beschreibt der jüdische Chronist Rabbi Elieser bar Nathan die Stimmung unter den Kreuzrittern, die 1096 ins Heilige Land ziehen wollen.

Papst Urban II. hatte im November auf der Synode von Clermont die Christenheit aufgerufen, das Heilige Land von den Muslimen zurückzuerobern. Doch bevor sich die Ritter in den Sattel schwangen, sammelten sich die Massen. Sie folgten charismatischen Predigern wie Peter dem Einsiedler. 

Unter ihnen sind einfache Leute, getrieben von frommem Eifer, aber auch Abenteurer, Verbrecher, Zweitgeborene ohne Aussicht auf Erbe, Leibeigene auf der Flucht. Sie ziehen den Rhein entlang, es geht dem päpstlichen Wort gemäß gegen die "Feinde des Christentums".

Elieser bar Nathan schildert auch das Grauen, das dann kommt: "Da plünderten und mordeten sie Männer, Frauen und Kinder, jung und alt. Sie zerstörten die Häuser und brachten die Wohntürme zum Einsturz." Manche Juden stellte der Mob vor die Wahl: Tod oder Taufe. Und viele Juden wählten den Freitod: Mütter schlitzten ihren Kindern die Kehle auf, Männer erschlugen ihre Frauen und entleibten sich dann selbst – nur, um nicht der rasenden Menge in die Hände zu fallen. 

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL Geschichte-Ausgabe 4/2019.
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