Es ist ein beschaulicher Ort, still und friedlich, so scheint es. Filmaufnahmen zeigen futternde Schweine und spielende Katzen. Auf anderen Aufnahmen sind Männer bei der Feldarbeit zu sehen. Sie halten Forken in den Händen, türmen Heu auf, auch Jugendliche arbeiten mit. Sie lachen.

Dann gibt es noch die Fotos, hochgeladen auf einer Internetseite: Bilder von sanften Hügeln, manche von Wald bedeckt. Auf einem Bild ist ein Pferdefuhrwerk zu sehen. Ein Ort wie aus einem Tolkien-Roman.

Die Internetseite wurde allerdings inzwischen vom Netz genommen. Und auch sonst ist nicht mehr viel, wie es war, im rumänischen Vișeu de Sus, auf Deutsch Oberwischau.

Dort im Norden des Landes befindet sich "Maramures", ein deutsches Jugendhilfeprojekt. Es sollte ein Ort sein, der Jugendlichen nach schwierigen Zeiten wieder Sicherheit bietet, eine Auffangstation für junge Deutsche. Doch seit einigen Tagen erhebt die rumänische Staatsanwaltschaft schwerwiegende Vorwürfe gegen die Betreiber und Mitarbeiter. Von Menschenhandel und sklavenähnlichen Verhältnissen ist die Rede, von Misshandlung, medizinischen Behandlungen gegen den Willen der Jugendlichen und von der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Die Ermittlungen umfassen den Zeitraum von 2014 bis August 2019.

Ein Junge beim Holzschichten in "Maramures" (2007)
Nora Bibel

Ein Junge beim Holzschichten in "Maramures" (2007)

Vor zwei Wochen haben rumänische Strafverfolger die Einrichtung durchsucht. Vier Jugendliche wurden danach in Obhut genommen. Die deutschen Leiter des Projekts, Bert S. und seine Frau Babett S., wurden verhört, ebenso einige Mitarbeiter. Bert S. kam in Gewahrsam. Auch fünf rumänische Angestellte wurden verhaftet. Babett S. darf das Land für 60 Tage nicht verlassen. Sie muss sich regelmäßig bei der Polizei melden.

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