Als Kriminalhauptkommissar Marcel Maierhofer an einem Donnerstagnachmittag den Kongo erreicht, trifft er zufällig pünktlich bei einer Beerdigung ein, zu der er gar nicht eingeladen ist. Am Hang hat sich schon das ganze Dorf von Rumangabo versammelt, um den Toten zu ehren, einen Ranger des Nationalparks. Die Familie hat mit einer Spitzhacke ein Grab ausgehoben, sie haben Elefantenohren gesammelt, große wächserne Blätter, um es zu schmücken, und ein Holzkreuz gebastelt mit seinem Namen: Faustin Biriko Nzaba. Paviane schreien in den hohen Bäumen über Maierhofer, ein Mann feuert mit einem russischen Sturmgewehr Salutschüsse in die Luft. Einige der Umstehenden werfen sich zu Boden, die Kinder weinen. Der Krieg hier im Kongo ist nicht weit, und sie haben nicht gesehen, wer schießt. "Wahnsinn", murmelt Maierhofer und wischt sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Er sei nicht das erste Mal hier, sagt er, aber es sei trotzdem jedes Mal anders. Meistens schlechter.

Maierhofer ist hier, um ein Problem zu lösen. Das Problem ist, dass die großen Tiere in den Nationalparks Afrikas verschwinden. Pro Stunde töten Wilderer in Afrika zwei Elefanten, seit dem Jahr 1900 haben sie mehr als neun Millionen erschossen. Ähnlich geht es den Nashörnern, den Löwen, den Bonobos, den Flusspferden. Von den Berggorillas gibt es nur etwa tausend Tiere. Stoßzähne und Hörner bringen auf dem Schwarzmarkt Asiens Milliarden, der Straßenpreis ist höher als der von Gold. Das Geld treibt Verbrecherbanden an, die mit vollautomatischen Waffen auf die Jagd gehen. In vielen Nationalparks tobt seit Jahren dieser Krieg, weitgehend unbemerkt von Touristen.

Die Menge fängt an zu singen: "Halleluja", ein Priester murmelt Worte in einer Bantusprache. Maierhofer, 44 Jahre, ein freundlicher Mann mit Glatze, hat seine Mütze abgenommen. Er versteht kein Bantu, er kommt aus dem Bergischen Land. Sein Gepäck ist auf dem Flug von Wuppertal nicht mitgekommen, er war jetzt 27 Stunden unterwegs, und er hat nicht viel mehr als sein kariertes Hemd am Leib und ein paar Bonbons in der Tasche. Sein Bruder hat vor der Reise noch zu ihm gesagt: "Du wirst langsam zu alt für den Kram." Maierhofer sieht gerade so aus, als fände er das auch.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 44/2018.
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