Der Tod der Historikerin Marie Sophie Hingst bewegt mich Tag und Nacht. Mitte Juli wurde sie leblos in ihrer Wohnung aufgefunden. Die Frage, die nun alle an diesem Drama Beteiligten beschäftigt, treibt mich um: War es richtig und notwendig, über die junge Frau und ihre Lügengeschichten zu berichten?

Mein am 1. Juni im SPIEGEL veröffentlichter Text hatte eine besondere Vorgeschichte. Ein eher zufällig zustande gekommenes Rechercheteam war zuerst auf den Fall aufmerksam geworden. Einer Historikerin, einer Anwältin, einem Archivar sowie einem auf jüdische Familien spezialisierten Ahnenforscher waren unabhängig voneinander Unstimmigkeiten im Blog "Read on my dear, read on" von Frau Hingst aufgefallen, sie tauschten sich über Facebook und E-Mails aus. Sie fanden heraus, dass Frau Hingst ihre in dem Blog verbreitete jüdische Familienbiografie erfunden und zur Beglaubigung dieser Legende in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem 22 gefälschte Opferbögen hinterlegt hatte. Als Frau Hingst auf die…

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