"Er war scheu, ängstlich, sanft und gut, aber die Bücher, die er schrieb, waren grausam und schmerzhaft. Er sah die Welt voll von unsichtbaren Dämonen, die den schutzlosen Menschen bekämpfen und vernichten. Er war zu klarsichtig, zu weise, um leben zu können, und zu schwach, um zu kämpfen: aber das war die Schwachheit der edlen, schönen Menschen, die zum Kampf gegen die Angst, gegen Missverständnisse, Lieblosigkeit und geistig Unwahres nicht fähig sind, die von vornherein um ihre Ohnmacht wissen, sich unterwerfen und so den Sieger beschämen."

Milena Jesenská, Nachruf auf Franz Kafka (6. Juni 1924)


„Vorgestern starb im Sanatorium Kierling in Klosterneuburg bei Wien Dr. Franz Kafka, ein deutscher Schriftsteller, der in Prag gelebt hat“ – so beginnt der Nachruf, den Milena Jesenská Anfang Juni 1924 auf Franz Kafka verfasste, den vielleicht größten Dichter des 20. Jahrhunderts.

Heute, knapp einhundert Jahre später, ist es einfach, Kafkas Größe zu erkennen. Damals, zwei Tage nach seinem Tod, musste Jesenská

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