An einem Freitag Ende August bekommt Timo Ranzenberger Besuch von einem Mann der Kirche. Der katholische Geistliche aus Köln will wissen, was dem heute 35-Jährigen in seiner Zeit als Messdiener widerfahren ist. Wurde er damals sexuell missbraucht, an welche Details kann er sich erinnern? Ranzenberger ist ein wichtiger Zeuge. Als sich der Besucher nach fast sechs Stunden von ihm verabschiedet, ist es beinah schon dunkel.

Die Ermittlungen der Kirche richten sich gegen einen der ihren, einen Priester, der sich an mehreren Kindern vergangen haben soll. Fast 28 Jahre lang hat er in Freisen, einem Ort mit rund 8000 Einwohnern im Saarland, die katholische Pfarrei geleitet, inzwischen ist er im Ruhestand. Seit dem Frühjahr 2018 läuft gegen ihn ein kirchliches Strafverfahren.

Die Kirche hat eine eigene Gerichtsbarkeit, eine Paralleljustiz, die sie unabhängig von staatlicher Strafverfolgung gegen ihren Klerus einsetzt. Diese Justiz arbeitet nach ihren eigenen Regeln, verschlossen, leise, mit viel Geheimniskrämerei.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 40/2019.
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