Michael Watzinger wird Ende Mai 50 Jahre alt. Er findet nicht, dass sein bisheriges Leben besonders gut verlaufen ist. Er hat zwei Kinder von zwei Frauen, alle vier wollen nichts mehr von ihm wissen. Er hat mal wieder keinen Job, lebt von Sozialhilfe. Er hat ein Gerstenkorn auf seinem rechten Augenlid, das er behandeln lassen muss – und seit einiger Zeit hat er auch noch Ärger mit Gerhard Richter.

Am 30. April 2019, sechs Tage nachdem er vom Amtsgericht Köln zu 3150 Euro Strafe verurteilt worden ist, weil er vier Bilder des Malers aus dessen Altpapiertonne gestohlen hat, sitzt Watzinger in einem Café in Schwabing und erzählt seine Geschichte, vier Stunden lang. Er sieht aus wie ein Versicherungsvertreter, den Beruf hat er früher einmal ausgeübt, als noch nicht alles gegen ihn lief. Halbglatze, abgetragenes Sakko, eine Krawatte mit gelben Sonnenmotiven. Er spricht mit weichem Münchner Dialekt, beginnt seine Sätze mit "Mei, wissen S'" und rekonstruiert das Geschehene, als wäre es ihm widerfahren,

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 20/2019.
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