Letizia Buonaparte bringt am 15. August 1769 ihr zweites Kind in eine Welt, die sich in engen, für ewig gehaltenen Bahnen bewegte: Völker wurden von Königen regiert, denen Gott dazu die Gnade verliehen hatte. Die Gesellschaft teilte sich in den Adel, den Klerus und viele Bauern. Die Menschen hatten sich weniger um ihr hiesiges, umso mehr um ihr jenseitiges Schicksal, ihr Seelenheil zu kümmern. Und all das sollte immer so weitergehen, denn diese Ordnung wurde nicht nur für göttlich gehalten, sondern galt so unveränderlich wie die Jahreszeiten. Dass es nun ausgerechnet der kleine Nabulione aus der Rue Malerba in Ajaccio sein würde, der das änderte, gehört zu den Wundern der modernen Geschichte. Und er selbst war einer von denen, die darüber staunten. 

Wie lange sind 250 Jahre? Manchmal kann sich ein verregneter Sonntagnachmittag in die Länge ziehen wie ein gefühltes Jahrtausend, doch im Lichte der langen Geschichte der Menschen auf der Erde ist diese Zeit kurz. Das gilt besonders für die Geschichte der europäischen Nationalstaaten, auch für Deutschland. 

"Am Anfang war Napoleon", so beginnt der 1992 verstorbene, große Historiker Thomas Nipperdey seine "Deutsche Geschichte". Von den napoleonischen Kriegen zur deutschen Einheit führt die Geschichte des deutschen Nationalgefühls. Aber auch der Rheinbund, die Versammlung der von ihm unterworfenen deutschen Gebiete, in denen der Code Napoléon, sein Gesetzbuch, galt und der Handel und Gesellschaft liberalisierte, spielt in der preußischen Geschichte eine wesentliche Rolle. Von Napoleon zu Bismarck, vom Kaiserreich zu den Nazis, vom Kalten Krieg zur Wiedervereinigung – es sind nur wenige Felsen, über die man hüpfen muss, um ganz ohne Zeitmaschine in der Gegenwart zu landen. 

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