Als im Bosnienkrieg die aus dem 16. Jahrhundert stammende Alte Brücke in Mostar zerstört wurde, verfasste die Schriftstellerin Slavenka Drakulić in der Zeitschrift "The New Republic" einen bemerkenswerten kleinen Aufsatz. Drakulić beschrieb, im Dezember 1993, ihre Gefühle beim Betrachten aktueller Fotos. Auf einem war die kaputte Brücke zu sehen, die immer auch ein Symbol für das friedliche Zusammenleben von Bosniaken und Kroaten gewesen war, ein anderes Bild zeigte eine im Krieg getötete Frau. Drakulić suchte nach Erklärungen dafür, warum ihr Schmerz über die demolierte Brücke in Wahrheit größer war als der über die tote Frau. Ihre Antworten sagen viel darüber, was sich am Montag abspielte, als in Paris die Flammen aus dem Dachstuhl von Notre-Dame schlugen.

Im Kollaps der Brücke von Mostar, schrieb Slavenka Drakulić, werde ihr die eigene Sterblichkeit bewusst, nicht im Tod der Frau. "Dass Menschen sterben, erwarten wir. Wir alle wissen, dass unser Leben endet. Die Zerstörung eines Monuments

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 17/2019.
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