Eigentlich ist Peter Wohlleben Förster in der kleinen Gemeinde Wershofen mitten in der Eifel. Doch der 55-Jährige hat mit vielen in seiner Zunft gebrochen, seit er sich der ökologischen Bewirtschaftung seines Waldes verpflichtet sieht und darüber auch schreibt. Sein Buch "Das geheime Leben der Bäume" hat sich über eine Million Mal allein im deutschsprachigen Raum verkauft. Gerade ist sein neues Werk erschienen: "Das geheime Band zwischen Mensch und Natur". 

Zum Gespräch hat er in seine Waldakademie eingeladen, doch am Ende finden weite Teile des Interviews im Wald statt, der ein paar Hundert Meter hinter dem Dorf beginnt. Schauer und Gewitter sind über das Land gezogen, der Regen hat gerade aufgehört. Doch der Wald dampft noch vor Feuchtigkeit. Es ist ein Mischwald mit vielen Buchen. Daneben erstreckt sich eine Plantage aus schlanken, hoch aufgeschossenen Douglasien. "Sehen Sie", fragt Wohlleben, "wie viel trockener es unter den Nadelbäumen ist?" Der Wald vor seiner Haustür dient ihm als eine Art Labor, in dem er seine Botschaft am real existierenden Objekt erklären kann. 


SPIEGEL: In Ihrem neuen Buch schreiben Sie über die Frage, ob die Sinnesorgane des Menschen eine Kommunikation mit Bäumen ermöglichen. Was würden uns die Bäume derzeit sagen, wenn wir ihre Sprache verstehen könnten? 

Wohlleben: Die meisten Bäume in Deutschland leben in einer Art Massentierhaltung. Das wäre also so ähnlich, als wenn Sie sich mit Zuchtschweinen in einem großen Mastbetrieb unterhielten. Die kennen nichts anderes als diesen Stall. Die würden ihnen nicht erzählen, dass sie gerne einen Stall mit mehr Platz haben wollen. 

Waldkenner Wohlleben "Das alte Uhrwerk der Natur"
MARMARA / LE FIGARO / LAIF
Waldkenner Wohlleben "Das alte Uhrwerk der Natur"

SPIEGEL: Wie ist das für einen Baum, wenn er unter hohen Temperaturen und ohne Niederschlag leben muss, so wie derzeit so viele in deutschen Wäldern?

Wohlleben: Das bedeutet für die Bäume Stress, der viel schlimmer ist als für uns Menschen in diesem Sommer. Denn Bäume mögen es bis auf ganz wenige Ausnahmen eigentlich kühl und feucht. Und die Ironie dieses Hitzesommers ist: Bäume würden sogar selber für diese kühleren und feuchteren Bedingungen sorgen, die sie so gerne haben. Bäume dunsten unglaublich viel Wasser aus, der Kühleffekt ist enorm. Doch so wie der Mensch die Wälder in Deutschland gepflanzt hat, können sich die Bäume nicht richtig gegenseitig kühlen.

SPIEGEL: Wie muss man sich diese Massenbaumhaltung vorstellen?

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