Bundeswehrsoldaten dürfen ab Januar nächsten Jahres kostenlos mit der Bahn fahren. Das forderte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, so wollte es Kanzlerin Angela Merkel. Und so ist es nun beschlossen. Aus "Dankbarkeit", wie der Regierungssprecher erklärte. Für die drei Panzergrenadiere, mit denen ich kürzlich einen Tisch im Großraumwagen teilte, ist das gewiss eine erfreuliche Nachricht: bleibt mehr Geld für Dosenbier. Prost, AKK, wir danken dir für diese Runde hier.

Wer die politische Diskussion verfolgt, könnte glauben, Deutschland verfüge über ein leistungsfähiges Schienentransportunternehmen. Diese Superbahn, zu Ehren von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer möchte ich sie Lummerland-Express nennen, soll nicht nur die Bundeswehrsoldaten aufnehmen, sondern wird laut Grünenchef Robert Habeck sämtliche innerdeutschen Flugverbindungen ersetzen. Das wären nach heutigem Stand etwa 23 Millionen zusätzliche Passagiere im Jahr. Der Lummerland-Express verfügt scheint's über ausreichend Personal, intakte Züge und über Schienen, die im Sommer nicht verbiegen und im Winter nicht einfrieren. 

Kolumnist Alexander Neubacher
Lam Nguyen Tien / DER SPIEGEL

Kolumnist Alexander Neubacher

Den Bürgern ist der Lummerland-Express allerdings unbekannt. Sie kennen bloß die Deutsche Bahn AG mit ihren überfüllten Zügen ohne Bordrestaurant in geänderter Wagenreihung mit Störung im Betriebsablauf. Bei den IC- und ICE-Zügen ist die Pünktlichkeit im ersten Halbjahr 2019 nochmals zurückgegangen. Mehrere Tausend Züge fuhren gar nicht erst los.

Oft hört man, der einst geplante Börsengang der Bahn AG sei für die Misere verantwortlich. Um eine schöne Bilanz zu haben, habe der damalige Bahn-Chef auf Investitionen verzichtet. Allerdings ist es einige Jahre her, dass der Börsengang abgesagt und der Bahnchef ausgetauscht wurde. Die Misere der Bahn ist eher größer geworden.

Ich glaube, dass es in Wahrheit die Politiker sind, die die Probleme verursachen. Wie soll ein Bahn-Chef solide planen und wirtschaften, wenn sich die Verteidigungsministerin wie König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte aufführt und die Bahn für Dankbarkeitsgesten gegenüber der Bundeswehr missbraucht? Und solange die Politik das Schienennetz nicht für mehr Wettbewerb freigibt, wird es keinen Lummerland-Express als Alternative zur Staatsbahn geben.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 34/2019.

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