Am Tag der Deutschen Einheit nieselt es in Chemnitz, der Wind pfeift kalt durch die Laubbäume. Nur ein paar leere Flaschen stehen im Musikpavillon auf der Schlossteichinsel. Die verfallenen Mauern sind mit Graffiti übersät. An einer Stelle prangt das Antifa-Zeichen, darunter: "Das Volk muss weg".

Bei schönem Wetter treffen sich hier oft junge, linke Chemnitzer und Flüchtlinge. Am Nationalfeiertag aber ist ein anderes Publikum erschienen. Ein paar Männer stehen an der Anlegestelle und steuern Modellboote durchs Wasser, andere tragen schwarze Jacken, trinken Bier.

"Nicht alle Ausländer gehören hierher", empört sich ein jüngerer Mann. Ein älterer schimpft, dass er nichts von dem, was über die Schlossteichinsel in der Presse stand, glaubt: "Das ist doch alles von oben gesteuert."

Die Schlossteichinsel ist einer dieser Orte, die Chemnitz bundesweit im Gespräch halten. Am 14. September überfielen Rechtsextreme als selbst ernannte "Bürgerwehr" Besucher der Insel. Offenbar wollten sie für einen größeren Anschlag am 3. Oktober üben.

So weit kam es nicht. Am Montag, nur zwei Tage vor der möglichen Terrorattacke, nahm die Polizei mehrere Verdächtige fest. Insgesamt acht Männer sollen einer Terrorgruppe namens "Revolution Chemnitz" angehören. Wenn die Ermittler recht haben, wollten sie mit Gewalttaten sogar die Mordserie des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) übertreffen.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 41/2018.
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