Von den widersprechenden Forderungen seiner Situation gejagt, zugleich wie ein Taschenspieler in der Notwendigkeit, durch beständige Überraschung die Augen des Publikums auf sich als den Ersatzmann Napoleons gerichtet zu halten, also jeden Tag einen Staatsstreich en miniature zu verrichten, bringt Bonaparte die ganze bürgerliche Wirtschaft in Wirrwarr, tastet alles an, was der Revolution von 1848 unantastbar schien, macht die einen revolutionsgeduldig, die andern revolutionslustig und erzeugt die Anarchie selbst im Namen der Ordnung, während er zugleich der ganzen Staatsmaschine den Heiligenschein abstreift, sie profaniert, sie zugleich ekelhaft und lächerlich macht.

(Karl Marx, Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte)

Schon der Anfang dieser Schrift, mindestens ebenso berühmt wie das Ende, ist eine Frechheit: Hegel, schreibt Karl Marx, habe "irgendwo" bemerkt, dass sich alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen zweimal ereigneten. Worauf Marx sich die Bemerkung erlaubt: "Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce."

Es erhöht den Spaß beträchtlich, dass Marx für seinen Aufsatz "Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte" sogleich ein Beispielpaar zur Hand hat: Napoleon selbst, der bald nach der Revolution von 1789 Frankreich umstürzte - und Louis Bonaparte, der sich, nach einem Staatsstreich, 1852 zum Kaiser krönen und fortan Napoleon III. nennen ließ. Der Letztere war der Wiedergänger des Ersteren, dessen eigener Staatsstreich eben an jenem 18. Brumaire des Jahres 1799 erfolgte: zwei Putsche (ein Original und eine Kopie), zwei weltgeschichtliche Tatsachen. Napoleon, sagt Marx, ist die Tragödie, Napoleon III., sein Neffe, ist die Farce.

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