Jahrelang hatte Armin Harzer sich geritzt, mit einem Messer und mit Scherben. Die Narben, feine weiße Linien, reihen sich in kleinem Abstand, an Armen und Beinen, Diagramme des Schmerzes. Eine Weile ließ er es bleiben, jetzt tut er es wieder.

Manchmal öffnet er auch auf seinem Computer Bilder, lange hatte er sie eigens in einem Ordner namens "Leichen" abgespeichert. Er schaut dann die Fotos an. Die von den Frauen mit aufgeschlitzten Kehlen aus Massengräbern im Kosovo. Die von den deutschen Kameraden, die in Afghanistan starben, als ihr Hubschrauber abstürzte.

"In solchen Momenten spüre ich mich", sagt Armin Harzer.

Wenn er sich spürt, geht es ihm kurz besser. Das Ritzen und die Fotos, sie übertünchen den Seelenschmerz. Weil er wieder dort ist, wo er sich auskennt: im Einsatz. Wo er Menschen getötet hat, gefallene Kameraden sah, Verwesung roch. Heute noch zittert seine Stimme, wenn er davon erzählt. Harzer geht es schlecht, seit zehn Jahren schon.

Im Bundeswehrkrankenhaus Berlin hockt Kapitänleutnant

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 32/2019.
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