SPIEGEL: Steinigungen gibt es hierzulande nicht. Digitale Steinigungen aber gehören in den sozialen Netzwerken zum Alltag. Warum ist das so?

Wagner: Der Ton im Netz hat sich in den vergangenen Jahren radikal verschärft, vor allem im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise. Eine hoch emotionale Form des Schlagabtauschs findet dort statt, die sich gegenüber früheren Formen des Meinungsaustauschs stark geändert hat.

SPIEGEL: Inwiefern?

Wagner: Im Netz üben Personen oftmals nicht mehr das Geben und Nehmen der klassischen Argumentation ein. Hier prallen einfach Betroffene mit ihren jeweiligen Wahrnehmungen und Meinungen aufeinander. Der eine sagt etwas, der andere sagt das Gegenteil. Die Vermittlung zwischen beiden Positionen ist schwierig bis unmöglich. Wie ich in meinem Buch ausführe, werden bei den aktuellen Netzdebatten die Wahrnehmungsfragen zunehmend wichtiger als die Informationsfragen. Die Öffentlichkeit im Internet nimmt eine neue Gestalt an.

SPIEGEL: Ihren Ärger haben sich Frustrierte doch

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 37/2019.
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