Der Briefkopf sah offiziell aus, der Text war es auch. Die "Kirchensteuerstelle Finanzamt Prenzlauer Berg" wollte im September 2011 von der damals 58-Jährigen wissen, ob sie getauft wurde. Falls ja, ob sie später aus der Kirche ausgetreten ist. Und wo und unter welchem Namen sie geboren wurde.

Michaela Baumann(*) ging davon aus, dass es sich um das Schreiben einer staatlichen Stelle handle, das sie wahrheitsgemäß beantworten müsse. "Außerdem bin ich ein ehrlicher Mensch", sagt sie, fast schon entschuldigend.

Also kreuzte sie "Nein" an, ergänzte aber handschriftlich: "Ich war als Kind nie in einer Kirche und kann mich an eine Taufe nicht erinnern." Auch ihren Mädchennamen und Geburtsort nannte sie.

Erst einmal hörte sie darauf nichts mehr.

Der Schock kam, als sie ihren Steuerbescheid für 2012 in den Händen hielt. Darin entdeckte sie, dass ihr für dieses Jahr Kirchensteuern abgezogen wurden, in Höhe von knapp 1000 Euro.

Dass sie plötzlich Mitglied der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 29/2019.
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