Jahre ihres Lebens hat Monika D. in einer "rosa Wolke" verloren. Nach ihrer Erinnerung saß sie fast immer zu Hause, wurde erst nachmittags richtig wach und verließ nur selten das Haus. Und wenn, dann meist, um in der Apotheke Nachschub zu holen, weil die Tropfen zur Neige gingen, die so zuverlässig ihre Sorgen vertrieben.

"Wenn die Flasche leer war, habe ich in der Praxis angerufen und ein neues Rezept bekommen", sagt D. Sie habe häufig gar nicht mit dem Arzt gesprochen. Die Rezepte seien per Post gekommen. Oder sie habe sie auch mal aus dem Zeitungskasten vor der Praxis geholt, wo sie hinterlegt gewesen seien.

Monika D. sagt, in diesen Jahren habe sie sich isoliert, den Kontakt zu Freunden abgebrochen. Sie arbeitete kaum noch, lebte von Hartz IV. Wenn sie unangenehme Gefühle spürte oder es vor ihren Augen flimmerte, habe sie sich nicht die Mühe gemacht, die Tropfen auf einen Löffel zu geben. "Auf die Hand und zack", sagt sie. Irgendwann sei sie bei einer Dosis von 100 Tropfen pro Tag gewesen.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 33/2019.
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