SPIEGEL: Herr Čeferin, der Fifa-Skandal wirkt noch nach, die Football-Leaks-Enthüllungen haben Steuerbetrug und Hinterzimmergeschäfte offengelegt. Gab es seit Ihrer Wahl zum Uefa-Präsidenten auch nur einen Tag, an dem Sie nicht von einem Funktionär angelogen wurden?

Čeferin: (lacht) Schwer zu sagen. Doch, solche Tage gab es bestimmt. Aber oft erfährt man ja erst viel später, ob jemand die Wahrheit gesagt hat oder nicht. Bei meinem vorherigen Job als Rechtsanwalt war das aber schon ähnlich.

SPIEGEL: Wie kann der Fußball das Vertrauen der Fans zurückgewinnen?

Čeferin: Der europäische Fußball ist eine bedeutungsvolle Industrie. Und weil er mit so viel Leidenschaft verbunden ist, bekommen seine Geschichten noch einmal mehr Aufmerksamkeit als die anderer Branchen. Ich kann nur sagen, dass die Uefa wirklich eine saubere Organisation ist. Auch wenn es immer mal wieder Themen gibt, an denen wir arbeiten müsen. Aber wenn man einen normalen Fan fragt, dann schmeißt er Fifa und Uefa in einen Topf und sagt: Ihr seid doch alle korrupt.

SPIEGEL: Nervt Sie das?

Čeferin: Ich habe keine Lust mehr, das immer wieder geradezurücken. Was wissen diese Leute über unsere Arbeit? Wir sind nicht korrupt. Ich bekomme keine geheimen Handgelder. Ich lasse mich nicht auf Hinterzimmerdeals ein.

SPIEGEL: An Ihren Worten werden Sie sich messen lassen müssen.

Čeferin: Natürlich. Nach meiner Wahl war ich sehr um meine Steuersituation besorgt, mit meinem Wohnsitz Slowenien und dem Uefa-Sitz in der Schweiz. Da darf ich mir keine Fehler erlauben. Denn in der Fußballwelt scheitern die meisten Funktionäre an ihrer Gier. Sie stecken mehr ein, als sie dürfen.

SPIEGEL: DFB-Präsident Reinhard Grindel musste zurücktreten, weil er Bezüge verschwiegen und eine teure Uhr als Geschenk angenommen hatte. Wie haben Sie diese Affäre erlebt?

Lade...

Gutes lesen. Mehr verstehen.

Sie haben keinen Zugang? Jetzt gratis testen!

  • Jeden Tag mehr Durchblick: Besondere Reportagen, Analysen und Hintergründe auf SPIEGEL ONLINE zu Themen, die unsere Gesellschaft bewegen, von Reportern in aller Welt.
  • Dazu die digitale Ausgabe des wöchentlichen Magazins.
  • Einmal anmelden, überall nutzen – mobil, Web, Tablet, auf allen Ihren Geräten.
  • Flexible Laufzeit, jederzeit online kündbar
Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 22/2019.
Hinweis

SPIEGEL+ kann in Ihrer App leider nicht dargestellt werden. Bitte installieren Sie die aktuelle App-Version oder wechseln Sie auf die mobile Website m.spiegel.de, um SPIEGEL+ lesen zu können. Vielen Dank!

SPIEGEL+ kann in Ihrem Browser leider nicht dargestellt werden. Bitte installieren Sie die aktuelle Version Ihres Browsers oder wechseln Sie zu einem anderen aktuellen Browser, um SPIEGEL+ lesen zu können. Vielen Dank!

SPIEGEL+ kann auf Ihrem Gerät leider nicht angezeigt werden. Bitte aktualisieren Sie, wenn möglich, Ihr Betriebssystem. Vielen Dank!