An einem kalten Frühlingstag ist Esther Perel, 61, nach Berlin gekommen, um über Affären zu reden. Die Belgierin ist eine der bekanntesten Paartherapeutinnen der Welt. In den vergangenen Jahren hat sie sich besonders dem Thema Untreue gewidmet. Und dabei schnell erkannt, dass dieses Thema zwar nahezu alle Menschen beschäftigt – die Auseinandersetzung damit aber meist oberflächlich ist, von Vorurteilen geprägt und ohne jeden echten Erkenntnisgewinn. 

Die herrschende Meinung in unserer Gesellschaft über Affären - so schreibt es Perel in ihrem Buch "Die Macht der Affäre" - lasse sich eigentlich in einem einzigen Absatz zusammenfassen:

"Untreue ist ein Zeichen dafür, dass in einer Beziehung etwas nicht stimmt. Wenn man zu Hause alles hat, was man braucht, gibt es ja keinen Grund, woanders auf die Suche zu gehen. Männer betrügen aus Langeweile und Angst vor Nähe, Frauen aus Einsamkeit und dem Bedürfnis nach Nähe. Der treue Partner ist der reife, verantwortungsbewusste, realistische, der untreue ist selbstsüchtig, unreif und hat sich nicht im Griff. Affären sind immer zerstörerisch, bringen eine Ehe niemals weiter und können nicht verwunden werden. Der einzige Weg, Vertrauen und Nähe wiederherzustellen, geht über Beichte, Reue und Absolution. Und nicht zuletzt zeugt es von mehr Selbstrespekt, sich scheiden zu lassen, als dem Partner zu verzeihen."

Aber so einfach ist es nicht. Deshalb fordert Perel: Wir sollten mehr über Affären reden. Anders. Tiefgründiger. Fragender. Nicht um sie zu entschuldigen. Sondern weil wir daraus etwas über die Liebe lernen könnten, über unsere Beziehungen und über uns selbst.

Also gut.

SPIEGEL: Frau Perel, was können wir ausgerechnet aus Affären über die Liebe lernen?

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