Als Erstes sieht man eine gewaltige Stirn, die durch den Türrahmen des Chefbüros bricht. Darunter Utz Claassen in Kopf-durch-die-Wand-Stimmung. Keine gute Idee, sich ihm in den Weg zu stellen.

Hektisch flitzen die Mitarbeiter aus dem Weg, Bahn frei für den Boss. Der stampft grußlos den schmalen Gang entlang, der Boden bebt unter seinen schwarzen Budapestern. Die Zeiten, in denen die dicken Teppiche der Vorstandsetagen jeden Missklang diskret schluckten, sind Geschichte. Nur die dicke goldene Uhr und die kostbaren Manschettenknöpfe erinnern noch an seine Zeit als Herrscher in glitzernden Firmenzentralen.

Der ehemalige Topmanager, der einst die VW-Tochter Seat, das Pharmaunternehmen Sartorius und den Energieriesen EnBW befehligte, arbeitet heute ziemlich beengt im 6. Stock am Aegidientorplatz, drei Etagen unter dem End- und Dickdarmzentrum Hannover. Von hier aus will er die Medizinwelt aus den Angeln heben. Geht alles nach seinem Plan, könnte diese Büroetage einmal ein Pilgerort werden, so berühmt wie die Garagen, in denen Apple und Microsoft geboren wurden.

Wenn da nur nicht dieses Sperrfeuer wäre, das ihn andauernd am Aufbau seines Milliardenimperiums hindert. Die Wut treibt ihm die Röte in den Nacken, wenn er von den Machenschaften berichtet: "Seit fast vier Jahren wird nach unserem Eindruck mit Mitteln, wie man sie von der organisierten Kriminalität kennt, versucht, dieses Unternehmen zu marodieren", sagt Claassen und bebt vor Furor. Die Kreaturen, die seine Firmengründung Syntellix ausbremsen, ausplündern, vielleicht sogar vernichten wollen, erscheinen in seiner Schilderung skrupelloser als die Camorra: "Für einen Mafia-Vergleich müsste man sich in Palermo und Neapel entschuldigen."

Für ihn gibt es keinen Zweifel: Da draußen im Markt ist eine gigantische Verschwörung im Gange, angezettelt von gefeuerten Mitarbeitern und missgünstigen Konkurrenten, vor allem aber: von seinem Ex-Freund und Ex-Teilhaber, dem Finanzinvestor und ehemaligen Drückerkönig Carsten Maschmeyer, auch bekannt als TV-Löwe und Gatte von Veronica Ferres.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 25/2019.
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