Das Erste, was den Zuhörern auffiel, war die zittrige Stimme des alten Mannes, der am Abend zuvor ihr neuer Regierungschef geworden war. Millionen Franzosen hatten sich an diesem Montag, dem 17. Juni 1940, um die Rundfunkempfänger geschart, um der für kurz nach Mittag angekündigten Rede des Marschalls Philippe Pétain zu lauschen. Im ganzen Land wartete man gespannt auf die Ansprache wie auf ein Wunder, ein Ende des Albtraums, den die Nation seit dem 10. Mai erlebte.

Acht Millionen Flüchtlinge, fast ein Fünftel der Bevölkerung, irrten in hilflosem Durcheinander über die Straßen – ein beispielloser Exodus, der die Brutalität und die Plötzlichkeit eines Krieges offenbarte, der anders als 1914 in wenigen Wochen eine europäische Großmacht in die Knie gezwungen hatte.

Dies war mehr als eine militärische Niederlage, es war der Zusammenbruch einer politischen Ordnung und das Versagen eines Staates, wie es sie seit dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870 nicht mehr gegeben hatte. Ohne die traumatische

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der Ausgabe 2/2019.
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