An einem Sommertag vor einigen Wochen bekam die Staatsanwaltschaft Braunschweig hohen Besuch. Herbert Diess, 60, war angerückt, in Begleitung zweier Anwälte. Der VW-Chef wollte eine Aussage machen. Seine Befragung dauerte mehrere Stunden lang, bis in den Abend hinein. Der VW-Chef wollte loswerden, was er seit Monaten im kleinen Kreis immer wieder beteuert: dass er sich in der ganzen VW-Affäre nichts habe zuschulden kommen lassen.

Die Charmeoffensive verfehlte ihre Wirkung.

An diesem Dienstag hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anklage gegen den VW-Chef erhoben, genau wie gegen seinen Vorvorgänger Martin Winterkorn, 72. Mitangeklagt ist außerdem Hans Dieter Pötsch, 68, der frühere Finanzchef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende des Autokonzerns.

Diess, Pötsch und Winterkorn unter Anklage – der Dieselskandal hat sich damit endgültig in das Spitzenmanagement von Europas größtem Autokonzern gefressen.

Das Trio, so der Vorwurf, habe die VW-Aktionäre viel zu spät über den Dieselskandal informiert, ihnen das Ausmaß des drohenden Schadens absichtlich und viel zu lange verschwiegen, um einen Kurssturz der Aktie zu verhindern.

Bei seinem früheren Arbeitgeber BMW, so Diess, hätten sie "so etwas" schon geahnt.

Diess, Pötsch und Winterkorn bestreiten das. Sie hätten zu wenig über die Abgasmanipulationen gewusst, um eine "kapitalmarktrechtliche Relevanz" zu erkennen. Die Staatsanwälte aber haben über drei Jahre hinweg Dokumente und Argumente gesammelt, die die Verteidigungsstrategie der Topmanager ins Wanken bringen könnten.

Einem Zeugen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: einem Mitarbeiter aus der Rechtsabteilung, der damals für Fragen der Typenzulassungen und Emissionen zuständig war. Er hat gleich mehrfach gegen den damaligen Finanzchef und heutigen Aufsichtsratschef Pötsch ausgesagt.

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