Samer Tannous war Hochschuldozent in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Seit Dezember 2015 lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern im niedersächsischen Rotenburg (Wümme) und arbeitet dort als Französischlehrer. In seiner Kolumne für SPIEGEL+ schreibt er über seine Versuche, die Sitten seiner neuen deutschen Heimat zu verstehen.

Ich habe schon einmal in einer Kolumne darüber berichtet, dass einige arabische Männer, als sie in den letzten Jahren in dieses Land gekommen sind, ein etwas schiefes Bild von der deutschen Gesellschaft hatten. Sie hatten das Klischee im Kopf, dass das Leben hier in allen Belangen sehr freizügig ist. In Bezug auf Meinungsfreiheit und viele andere persönliche Freiheiten stimmt das auch. 

Aber in Bezug auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau stimmt es nicht. Viele Syrer hatten über die deutsche Gesellschaft gehört, dass hier voreheliche oder außereheliche Beziehungen eher akzeptiert werden als in Syrien. Dass Frauen sich hier zum Teil sehr freizügig kleiden.

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