Christa Wessel wundert sich sehr. Seit dem Nachmittag ist die Operation an jenem Märztag des Jahres 2016 bei ihrem Mann schon zu Ende. Aber Stunden vergehen und niemand schiebt ihn aus dem Aufwachraum. Die Chirurgen haben ihm eine Niere entnommen, weil darin ein Tumor wucherte. Das ist zwar keine alltägliche, aber doch eine Standardoperation. Der Eingriff sei gut verlaufen, ruft das Klinikpersonal der Frau im Vorbeigehen zu.

Um 20 Uhr, endlich, rollen die Pfleger Ralf Wessel in ein Zweitbettzimmer. Aber seine Frau erkennt ihn kaum wieder. Ihr sonst so ruhiger und bedachter Partner ist ganz aufgeregt, regelrecht nervös und spricht unglaublich laut. Christa schämt sich vor dem Zimmernachbarn wegen des Lärms, den er verursacht. Sie versucht ihren Mann mit nüchternen Erklärungen zur Raison zu rufen, erläutert, dass sie seine Kleidung jetzt in den Schrank räumt. Aber er hört gar nicht zu. Auf einmal will er mit Urinbeutel und noch an Schläuche angeschlossen, aus dem Krankenbett aufstehen.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL Wissen-Ausgabe 2/2019.
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