"Herr, es sind Leute, die sicher nichts anderes als Götter sein können, denn sie behaupten, mit dem Wind gekommen zu sein; es sind bärtige, sehr schöne und ganz weiße Leute; sie essen aus silbernen Tellern, und sogar die Schafe, große Schafe, von denen sie getragen werden, besitzen silbernes Schuhwerk. Sie feuern Blitz und Donner ab wie der Himmel."   

Mit diesen Worten soll ein Bote dem Inka Huayna Capac die Landung der Spanier gemeldet haben, berichtet Titu Kusi Yupanqui, selbst ein später Inka-Herrscher. Mit rund 200 Mann und 30 Pferden war Francisco Pizarro 1531 im heutigen Peru gelandet. Und es folgte das Unglaubliche: Die Hochkultur fiel in sich zusammen.

Titu Kusi Yupanqui ist Chronist dieses Infernos. Von den Eroberern 1560 als Marionettenherrscher eingesetzt, versuchte er ein gewisses Maß an Eigenständigkeit zu gewinnen. Die Zustände unter den Spaniern trieben ihn zu einer Verzweiflungstat: 1570 diktierte er einen Beschwerdebrief an den Gouverneur der Spanier in Südamerika, auf dass jener beim spanischen König Philipp II. ein gutes Wort einlege. Der Monarch im fernen Madrid möge erfahren, "wer ich bin und welche Not ich in diesen Urwäldern leide, seit Seine Majestät und deren Vasallen das Land, das meinen Vorfahren gehörte, in Besitz genommen haben".

"Die Erschütterung der Welt" steht über seiner Klageschrift. Sie ist auch ein Bericht darüber, wie die Europäer das Inka-Reich unterwerfen, wie sie ihrem Ziel durch Verrat, Betrug und Täuschung näherkommen, wie sie plündern, meucheln und massakrieren. 

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der Ausgabe 1/2019.
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