Makkaroni wurden in "Treuebruchnudeln" umgetauft, die Italiener in Wien als "treulose Tomaten" geschmäht. Und am Pfingstsonntag, dem 23. Mai 1915, sollte Italien sogar zu Grabe getragen werden: auf dem "Friedhofe der öffentlichen Meinung (Abteilung für Ehrlose)". Der Grund: Das Land war "infolge gebrochenen Ehrenwortes und unheilbarer Ländergier" gestorben, wie es auf einer schwarz umrandeten Propagandapostkarte aus Österreich hieß.

Der Termin der Beerdigung war nicht zufällig gewählt: Am 23. Mai 1915 trat Italien nach zehnmonatiger Neutralität auf der Seite der Entente - des Bündnisses aus Frankreich, Russland, Großbritannien - in den Ersten Weltkrieg ein und machte gegen Wien mobil; am 27. August 1916 erklärte Italien Deutschland den Krieg.

Der italienische Kriegseintritt, "Intervento" genannt, bedeutete eine einseitige Aufkündigung des Dreibunds, zu dem sich Italien, Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich 1882 zusammengeschlossen hatten. Aus den einst Verbündeten wurden Feinde. Die Mittelmächte,

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL Geschichte-Ausgabe 3/2019.
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