Als sich Edith Wolff im August 1942 auf den Weg ins Riesengebirge macht, ahnt sie schon, dass bald etwas passieren wird. Zuerst will sie gar nicht fahren, so schildert sie es, doch ihre Mutter Gertrud überredet sie zur Fahrt in den Kurort Kudowa. Die beiden sind erschöpft. Seit fast zehn Jahren sind die Nazis an der Macht, das Leben wird für die jüdische Familie aus Berlin immer beschwerlicher. Jetzt wollen Mutter und Tochter einige Wochen Urlaub machen und endlich einmal auf andere Gedanken kommen.

Doch das fällt Edith Wolff schwer. Ein knappes Jahr zuvor, am 18. Oktober 1941, hat die Deportation der Berliner Juden in den Osten begonnen. Die Eltern ihrer besten Schulfreundin und eine befreundete Familie mit fünf Kindern sind schon von der Gestapo abgeholt worden. "Lauter herzensgute, überaus bescheidene und jederzeit gefällige Menschen", erinnert sie sich später.

Noch schützt sie ihr Status als "Mischling 1. Grades". Ihr Vater ist zwar Jude, aber ihre Mutter Christin ohne jüdische Vorfahren

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL Geschichte-Ausgabe 2/2019.
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