Von Melanie Amann, Stephan Heffner, Martin Knobbe, Ann-Katrin Müller, Jan Puhl, Marcel Rosenbach, Alexander Sarovic, Jörg Schmitt, Wolf Wiedmann-Schmidt, Anika Zeller

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier steht an einem Donnerstag im April vergangenen Jahres in einem Fünfsternehotel auf der Krim und drückt gemeinsam mit fünf Männern einen großen roten Knopf. Auf einer LED-Wand leuchtet das Wort "Future" auf, das Vierte Internationale Wirtschaftsforum in Jalta ist eröffnet. Die Szenerie erinnert an eine Fernsehshow der Achtzigerjahre, ein wenig steif, ein wenig gekünstelt, man findet Bilder und Videos im Internet.

Die Männer, die gemeinsam mit dem Politiker aus Deutschland ihre Hände aufeinanderlegen und den Knopf drücken, sind treue Freunde Russlands und, so darf man vermuten, auch seines Präsidenten Wladimir Putin. Ein österreichischer Vizebürgermeister der FPÖ ist dabei, ein ehemaliger Abgeordneter der russischen Staatsduma und Sergej Axjonow, Putins Statthalter auf der Krim. Russland hat die Halbinsel 2014 völkerrechtswidrig annektiert, seitdem haben die USA und die EU Sanktionen gegen das Land verhängt. Trotzdem ist der Politiker Frohnmaier nach Jalta gereist.

Nach der Eröffnung des Forums gibt er in der Lobby des Luxushotels dem Fernsehsender RT ein Interview. Wenn man auf der Krim die Serpentinen entlangfahre, schwärmt Frohnmaier, fühle man sich wie in Verona: die Architektur, der Wein, die Lage am Meer, "was möchte man denn mehr?". Nur die Sanktionen, sagt der Mann aus dem Deutschen Bundestag, die müssten endlich weg: "Es ist nun mal so, dass die Krim jetzt die russische Krim ist. Daran werden auch die Leute, die das sehr kritisch begleiten, nichts mehr ändern können. Die Krim kommt nicht mehr zurück, und ich denke, das muss man jetzt einfach auch akzeptieren."

Markus Frohnmaier klingt an jenem Donnerstag wie ein PR-Agent des russischen Präsidenten. So klingt er an vielen Tagen.

Die AfD, vor sechs Jahren als euroskeptische Partei gegründet, hat sich als Glücksfall für Wladimir Putin erwiesen. Ihr Ziel, das Establishment anzugreifen, vereint die Partei mit dem russischen Präsidenten, der die Macht des Westens brechen will, indem er ihn zu spalten versucht. Gemeinsam haben AfD und Kreml zudem einen ausgeprägten Antiamerikanismus und die Verachtung moderner Werte wie die Gleichstellung von Lesben und Schwulen mit traditionellen Ehen.

Die russische Führung sieht in der größten Oppositionspartei Deutschlands einen Verbündeten im Krieg gegen das "entartete Europa", wie es der neofaschistische Ideologe Alexander Dugin einmal bezeichnet hat. Das gemeinsame Ziel ist die Schwächung des Gegners. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, zeigen exklusive Dokumente aus dem Moskauer Staatsapparat. Sie belegen auch, wie sich Politiker der AfD in diesem Ansinnen zu Erfüllungsgehilfen Putins machen.

Gemeinsame Recherchen von SPIEGEL, ZDF, der britischen BBC und der italienischen Zeitung "La Repubblica" offenbaren, wie Moskau die westeuropäischen Demokratien schwächen und sich dafür die Unterstützung rechter Parteien sichern will. Geleakte E-Mails und Dokumente geben einen tiefen Einblick, wie solche Strategien für eine Einflussnahme auf den Westen entstehen, wie sie in Putins Machtbereich gelangen und welcher Instrumente man sich für die Umsetzung bedient.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 15/2019.
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