SPIEGEL: Herr Schäuble, als Sie 1972 in den Bundestag kamen, holten Union und SPD gemeinsam mehr als 90 Prozent der Stimmen. Bei der jüngsten Europawahl hat es nicht einmal für die Hälfte gereicht. Wie erklären Sie sich diesen Niedergang?

Schäuble: Wir haben eine Situation, in der die traditionellen Parteien und Institutionen in fast allen westlichen Ländern in der Krise sind. Aber Krise hat für mich auch etwas Positives. Ohne Krise verändert sich nichts.

SPIEGEL: Die Entwicklung macht Ihnen keine Sorgen?

Schäuble: Wir müssen die Situation ernst nehmen. Wir können nicht einfach so weitermachen. Wenn Parteien weniger Zustimmung finden, müssen sie sich darum bemühen, sie wiederzuerlangen.

SPIEGEL: Das versuchen SPD und Union seit Jahren ohne Erfolg.

Schäuble: Die CDU unter Angela Merkel hat das lange geschafft. Es gibt ja auch positive Zeichen: Die Beteiligung an der Europawahl ist gestiegen, der prophezeite europaweite Sieg der Nationalisten ist ausgeblieben. Die Leute haben erkannt, dass etwas

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 27/2019.
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