Vor einigen Jahren nahm Yishai Sarid an einem deutsch-israelischen Schriftstellertreffen in Jerusalem teil. Sarid bemerkte, dass man schon nach wenigen Minuten bei Holocaust und Weltkrieg war und dass es die deutschen Kollegen waren, die darauf als Erstes zu sprechen kamen. Sie erzählten von ihren Familien und davon, was die Großväter im Krieg erlitten hatten. Doch Sarid misstraute der mitteilsamen Geselligkeit. Zwar mochte er die Deutschen, aber in diesem Austausch kam es ihm so vor, als würde man die Illusion einer gemeinsamen Geschichte als Nachfahren der Kriegsgeneration beschwören.

Yishai Sarid wurde 1965 geboren. In seiner Familie waren viele Opfer des Holocaust zu beklagen. Auch die Überlebenden, jene, die noch vor dem großen Morden nach Palästina emigriert waren, trugen schwer an der Erfahrung. Bis 1945 lautete väterlicherseits der Familienname Schneider, daraus wurde dann Sarid. Die Großmutter väterlicherseits, deren übrige Familie ermordet worden war, beging in hohem Alter Suizid.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 6/2019.
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