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Hausmitteilung 11. Oktober 2004 Rechtschreibung

aus DER SPIEGEL 42/2004

Ob jemand ein »viel versprechender« oder ein »vielversprechender« Politiker ist, ob einer sich in den »wohl verdienten« oder den »wohlverdienten« Ruhestand begibt, ob einer an einer »meist befahrenen« Straße wohnt oder an der »meistbefahrenen« der Stadt - das ist keineswegs einerlei. Weil sich der SPIEGEL der staatlich dekretierten Einebnung sprachlicher Unterscheidungsmöglichkeiten und anderen Verschlimmbesserungen, etikettiert als »Rechtschreibreform«, nicht beugen will, hat Chefredakteur Stefan Aust, 58, im August eine Rückkehr zur alten Form angekündigt. Nach Protesten auch der Schriftsteller-Prominenz haben sich die Ministerpräsidenten am Freitag voriger Woche von dem Beschluss distanziert, dem die Ankündigung des SPIEGEL (wie auch der Blätter des Springer-Verlags und der »Süddeutschen Zeitung") gegolten hatte: Anlass war die Entscheidung der Kultusministerkonferenz, die missratene Reform zum 1. August 2005 unverändert verbindlich werden zu lassen. Nun soll nach dem Willen der Länderchefs ein »Rat für deutsche Rechtschreibung«, plural besetzt mit Reformgegnern und -befürwortern, Änderungen in den Bereichen Fremdwörter, Interpunktion sowie Getrennt- und Zusammenschreibung - siehe oben - erörtern. Von der Besetzung des Gremiums sowie vom Ablauf und vom Ergebnis der Beratungen wird der SPIEGEL sein weiteres Vorgehen abhängig machen (Seite 32).

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