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130 000 Abtreibungen

aus DER SPIEGEL 5/1999

werden jährlich legal in Deutschland vorgenommen. Die Zahl stagniert. Frauen, die ihre Schwangerschaft innerhalb der ersten zwölf Wochen straffrei abbrechen lassen, brauchen zur Vorlage beim Arzt einen »Nachweis«, einen Schein, der bestätigt, daß sie an einer »Beratung nach Paragraph 219 StGB« zum »Schutz des ungeborenen Lebens« teilgenommen haben.

Auch die katholische Kirche beteiligt sich an der staatlich geregelten Konfliktberatung. Die zum größten Teil von der Caritas und dem Sozialdienst katholischer Frauen getragenen 270 katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen betreuen jährlich insgesamt etwa 115 000 Frauen, darunter auch viele muslimische. Die meisten werdenden Mütter suchen jedoch lediglich Rat und Hilfe, etwa bei Wohnungs- oder Finanzproblemen. Rund 20 000 Frauen wollen eine »Konfliktberatung« von katholischer Seite, lediglich 15 000 von ihnen haben sich den »Schein« im vergangenen Jahr ausstellen lassen. Etwa 5000 »Konfliktfrauen« entschieden sich nach dem Beratungsgespräch, das Kind doch auszutragen. Von den übrigen 15 000 gaben nur 1400 klar zu erkennen, daß sie weiterhin zu einer Abtreibung tendierten. Von der großen Mehrheit, knapp 14 000, ist unbekannt, wie sie letztlich votiert hat.

Von den Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch nicht ausschließen, nennt in der Regel etwa die Hälfte als Grund berufliche Schwierigkeiten im Fall einer Geburt, andere Argumente sind Überforderung als Alleinerziehende oder gesellschaftliche Diskriminierung durch ein uneheliches Kind. Nur jede zehnte Frau gibt an, der Partner oder die Familie übe Druck auf sie aus.

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