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Hausmitteilung 15. Februar 1999 Borges

aus DER SPIEGEL 7/1999

Ein Gott (oder zumindest Guru) für Literaten in aller Welt wurde Jorge Luis Borges erst im Alter. Die meiste Zeit seines Lebens (1899 bis 1986) war der langsam erblindete und doch außerordentlich belesene Argentinier allenfalls eine Lokalgröße unter Schriftstellern von Buenos Aires. Dort erlebte ihn der spätere SPIEGEL-Reporter Carlos Widmann, damals 18, im Jahr 1957 als vortragenden Universalgelehrten. Zwei Jahre später wurde die Bekanntschaft mit Borges schriftlich fortgesetzt, als Romanistikstudent Widmann (gebürtiger Argentinier und Doppel-Paß-Inhaber) in München einige Erzählungen und Gedichte seines Landsmannes übersetzte; sie gehörten zu den ersten Borges-Texten, die in Europa veröffentlicht wurden. 40 Jahre danach - im »Borges-Jahr 1999« - traf der SPIEGEL-Mann in Genf dessen Witwe und Alleinerbin María Kodama, die den blinden Magier der Worte im letzten Lebensjahrzehnt auf 50 Auslandsreisen begleitet hatte. Sie ist, so Widmann, »zur grimmigen Gralshüterin seiner Schriften geworden« (Seite 180).

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