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Hausmitteilung 19. April 2010 Titel, Kanonenboot, Dein SPIEGEL

aus DER SPIEGEL 16/2010

Scheinbar harmlos hatte der Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan Anfang 2002 begonnen. Von einer »Sicherheitsunterstützungstruppe« war die Rede, sie sollte helfen, das Land zu stabilisieren. Inzwischen sind die Deutschen längst in einen Bürgerkrieg verwickelt, der unter den Bundeswehrangehörigen bereits 43 Menschenleben gefordert hat. SPIEGEL-Redakteurin Ulrike Demmer, 37, war Zeugin, als Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, 38, vorigen Donnerstag während seiner dritten Reise nach Afghanistan erfuhr, dass gleich vier Soldaten südlich von Kunduz gefallen waren. Hasnain Kazim, 35, Südasien-Korrespondent für SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE, sprach mit Dutzenden Soldaten. Ein Hauptmann erzählte, wie Karfreitag drei Kameraden fielen: »Ich war für sie verantwortlich, doch ich konnte nichts tun.« Ein Hauptfeldwebel berichtete von einem geglückten Versuch, ohnmächtig gewordene Soldaten zu bergen: »Wir haben unsere letzten Kraftreserven rausgeschrien.« Ein Stabsunteroffizier beschrieb die Stimmung im Feldlager Kunduz so: »Immer häufiger fragen sich manche nach dem Sinn des Ganzen« (Seite 18).

Die abenteuerliche Geschichte des Fährschiffs »Liemba«, mit dem SPIEGEL-Reporter Clemens Höges, 48, auf dem tansanischen Tanganjika-See nach Sambia fuhr, war Vorbild für den Film »African Queen": 1913 auf der Meyer Werft im niedersächsischen Papenburg auf den Namen »Graf Goetzen« getauft, wurde der Dampfer zerlegt und in Tausenden Teilen nach Afrika verschifft. Hunderte Afrikaner trugen das letzte Kanonenboot des Kaiserreichs schließlich über Berge durch den Dschungel, ehe es 1915 in der Kolonie Deutsch-Ostafrika zum Einsatz kam. Mit Kakerlaken und Moskitos kam Höges an Bord der »Liemba« zurecht, schwierig wurde die Reise erst, als tansanische Soldaten ihn für einen Spion hielten und nahe der Ruine der früheren deutschen Seefestung Bismarckburg verhörten. Am Ende ordneten sie ihm einen Aufpasser bei. Der schwärmte von Spezialitäten der heimischen Küche: dem Fleisch von Krokodilen aus dem Tanganjika-See. »Bevor sie dort schwimmen gehen, erlegen die Soldaten alle Krokodile, die sie sehen«, sagt Höges. Seine Reportage erscheint in diesem Heft auf Seite 126.

Für das Kinder-Nachrichtenmagazin »Dein SPIEGEL« hat Höges altersgerecht aufgeschrieben, was er in Afrika erlebte. Das Magazin erklärt in seiner neuen Ausgabe zudem, warum Tiere der Urzeit wie Dinosaurier und Höhlenbären heute nicht mehr leben. Weitere Themen: Wer verbirgt sich hinter dem Namen Panini, dem Hersteller von Fußballsammelbildern? Und: Wie können sich Kinder vor Missbrauch schützen?

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