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Hausmitteilung 19. März 2001 Ukraine

aus DER SPIEGEL 12/2001

Vorigen Sommer hatte Leonid Kutschma, Präsident der Ukraine, in einem SPIEGEL-Interview noch geklagt: »Die Bürger sind das Chaos bei uns leid.« Jetzt besorgt er selbst das Chaos. Anfang des Monats mündete der Widerstand gegen den Staatschef erstmals in blutige Straßenschlachten. Angefacht wird er von immer neuen Details eines Lauschangriffs, den ein früherer Kutschma-Leibwächter über Monate im Amtszimmer seines Präsidenten inszenierte. Die Aufzeichnungen legen nahe, dass Kutschma an der Beseitigung eines regimekritischen Journalisten beteiligt gewesen sei. SPIEGEL-Redakteur Christian Neef, 49, zu Recherchen in der Ukraine, wurden erste Kopien der Bandaufnahmen vor Wochen unter konspirativen Umständen kurz vor Mitternacht im Kiewer Nobel-Club »Gold Cup« übergeben. Am nächsten Morgen stand der Geheimdienst bei Neefs Kontaktmann vor der Tür, durchsuchte dessen Büro und nahm die Computer mit. Inzwischen gelangte weiteres Abhörmaterial nach Hamburg. Der SPIEGEL ließ es von mehreren Instituten auf Authentizität prüfen und druckt nun Auszüge. Eines verblüffte Neef in Kiew besonders: Die Ukrainer sind weniger über die Details der Mitschnitte schockiert als über den primitiven Jargon ihres Staatschefs (Seite 230).

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