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Hausmitteilung 24. September 2001 Titel

aus DER SPIEGEL 39/2001

In Krisenzeiten steigt das Bedürfnis nach seriösen Informationen. Nach den Terroranschlägen in den USA hatte der SPIEGEL vergangene Woche 1,54 Millionen Hefte gedruckt - mehr als je zuvor. Dennoch standen einige SPIEGEL-Leser vor leeren Regalen, mancherorts war das Heft trotz Nachlieferungen ausverkauft. Auch diese Woche geht der SPIEGEL mit erhöhter Auflage in den Handel, und auch diese Woche steht die Berichterstattung über Folgen und Auswirkungen der Katastrophe im Mittelpunkt. Reporter Klaus Brinkbäumer, 34, und Nahost-Korrespondent Volkhard Windfuhr, 64, trafen in Kairo Mohammed Atta senior, dessen Sohn lange in Hamburg lebte und am 11. September mit Komplizen ein Flugzeug entführt und in den nördlichen Turm des World Trade Center gejagt haben soll. »Es war ein bizarres Gespräch«, sagt Brinkbäumer, »der Vater will bis heute nicht glauben, dass sein Sohn ein Massenmörder ist, und bezichtigt den israelischen Geheimdienst Mossad, hinter der Katastrophe zu stehen.« SPIEGEL-Korrespondenten recherchierten auch in den Krisengebieten des Mittleren Ostens. Jörg Mettke, 58, reiste nach Tadschikistan, um in der Grenzregion zu Afghanistan die Vorbereitungen der so genannten Nordallianz für einen Feldzug gegen die in Kabul herrschenden Taliban zu beobachten. »Das sind rückwärts gewandte Extremisten, ein gefährlicher Unruheherd in der gesamten Region«, so Irans Außenminister Kamal Charrasi im Interview mit den SPIEGEL-Redakteuren Dieter Bednarz, 45, und Martin Doerry, 46, über die Taliban. Anders als in Iran leben in Pakistan viele Anhänger der islamistischen Gotteskrieger. SPIEGEL-Redakteur Joachim Hoelzgen, 56, erlebte im Grenzgebiet am Khyber-Pass, wie fanatische Muslime für den Umsturz in Pakistan warben, und Reporter Carlos Widmann, 63, beschreibt die Kaderschmiede der Taliban zwei Autostunden nördlich von Islamabad. Spiritus Rector der Steinzeit-Muslime dort ist der Gelehrte Sami ul-Haq: »Er sprüht vor Hass auf die Amerikaner und weiß darin viele Pakistaner hinter sich«, so Widmann. »Wenn die USA plötzlich in Afghanistan zuschlagen, kann die Lage hier gefährlich instabil werden.«

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