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Hausmitteilung 26. Mai 2007 Kriegsverbrechen

aus DER SPIEGEL 22/2007

Die Presseleute, handverlesen, trafen sich um sechs Uhr früh am schwerbewachten Haupttor. Uniformierte eskortierten sie zum Gerichtsgebäude in Camp Pendleton, nördlich von San Diego, es galt die höchste Sicherheitsstufe. Für den SPIEGEL verfolgte Redakteur Ralf Hoppe, 47, das Geschehen: Verhandelt wird im Haditha-Prozess die Ermordung von 24 Zivilisten durch US-Soldaten am 19. November 2005 im Irak. Der Vorfall erregt und spaltet die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten bis heute, denn das Massaker in der Stadt Haditha erinnert an den Vietnam-Krieg, an den Massenmord im Dorf My Lai. Auch in Kalifornien gaben die Beteiligten Einblick in die Grausamkeiten des Kriegsalltags und in die fatale Eigendynamik militärischer Gewalt. Hoppe war nicht unvorbereitet gekommen; er hatte irakische Überlebende und US-Marines interviewt, mit Anwälten und Zeugen geredet. Nicht zuletzt hatte er mit Martin Terrazas, 44, gesprochen, dem Vater des vierfach dekorierten Soldaten Miguel Terrazas, dessen Tod die Rache-Exzesse ausgelöst hatte. Der Senior, so erinnert sich Hoppe, war in seiner Trauer unfähig, in Miguels Kampfgefährten Schuldige zu sehen - »auch um ein reines Andenken an seinen Sohn zu bewahren« (Seite 122).

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