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EUROPA-ARMEE 3000 deutsche Panzer

aus DER SPIEGEL 1/1952

Westeuropas Militärs haben sich längst darüber geeinigt, wie die aus René Plevens securité-gehemmtem Schoß entsprungene sogenannte »Europäische Verteidigungsgemeinschaft« militärtechnisch aussehen soll. In einem halben Jahr interner Ausschußberatungen wurden sich in Paris französische, belgische, italienische, luxemburgische und deutsche Offiziere schlüssig, während die Politiker dieser Länder in der gleichen Zeit keinen Modus finden konnten, wie diese »Europäische Verteidigungsgemeinschaft« zu finanzieren wäre, wie im einzelnen sie organisiert werden müsse und auf wie lange Zeit der Vertrag abzuschließen sei.

In Paris existieren glaubhafte Zahlen, wie hoch die Stärke des deutschen Kontingents in der 43 Divisionen starken Europa-Armee sein soll:

* 6 Panzerdivisionen mit je 300 Panzern,

* 6 Panzerbegleitdivisionen mit je 200 Panzern,

* 1800 Düsenjäger, taktische Aufklärer und Jagdbomber.

Das wären allein an Erstausstattung 3000 Panzer und 1800 Flugzeuge. Wie sie geliefert werden sollen ist unklar, solange die USA ihre Lieferversprechen an die NATO-Partner nicht einmal annähernd erfüllen konnten.

Größte nationale Einheit soll nun das Armeekorps werden, nachdem man vom Bataillon ausgegangen war. Damit wäre die Europa-Armee praktisch doch das geworden, was das französische Parlament keinesfalls gutheißen will und was René Pleven ebenfalls nicht im Auge hatte: nämlich eine geschlossene Koalitionsarmee aus national geschlossenen Armeekorps.

Die Uniform der noch imaginären Europa-Soldaten: Auf der linken Brust tragen sie ein Europa-Symbol, auf den Schultern Abzeichen ihrer Nationalität und ihre Waffenfarbe, auf den Oberarmen Divisionsabzeichen und auf den Aermeln die Dienstgrade.

Die »Dienststelle Blank« in Bonn führt noch die Bezeichnung »Bundeskanzleramt: Der Beauftragte des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen«. Mit dieser Vermehrung beschäftigt sind inzwischen noch etwa fünf Prozent der Blank-Leute.

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