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Briefe

5,40 MARK
aus DER SPIEGEL 43/1968

5,40 MARK

(Nr. 41/1968, Festspiele)

Ich habe die Song-Tage miterlebt und kann behaupten, da ich ein Festivalfan bin, in Europa Ähnliches nicht erlebt zu haben. Hier in Essen endlich wurden die ausgelatschten Kulturpfade verlassen: keine Kategorisierung der Darbietungen, heute Folksong, morgen Protestlied. Die Fächerung der Liedgattungen war äußerst farbig und frei von lehrhaftem und manipulatorischem Charakter. Man konnte sich selbst für Driscoll oder Süverkrüp entscheiden.

Von der angeblichen Verbitterung Alexis Korners über Herrn Kaiser war nichts zu merken. Nach seiner sechsstündigen Ansage in der Gruga-Halle spielte Alexis Korner mit sichtlichem Vergnügen abends zur Abschlußveranstaltung im Saalbau bei zwei längeren Auftritten. Obwohl er weder dafür vorgesehen war noch extra bezahlt bekam.

Karlsruhe (Bad.-Württ.) BRIGITTA M. T. REINERT

Wer ist da so ärgerlich, daß bei den Essener Song-Tagen Männer wie die mothers mit Obermutter Zappa, die man sonst nur von sehr teuren Plätzen in sehr teuren Sälen hören darf, umsonst mitmachen, mit vielen Dilettanten sogar, und sich noch wohl fühlen bei ihren Leuten auf einem Fest. das von ihren Leuten organisiert wurde?

Welche Kursnotierungen an welchen Veranstaltungsbörsen sind dadurch wie ins Wanken geraten? Welche Leute haben gemerkt, daß ihre Zeit vorbei ist und ihre Schreibe da nicht mehr ausreicht?

Übrigens habe ich nicht 300 Mark von meinem Bruder Martin, mit dem ich unter einer Decke stecke, gekriegt,

*Dr. jur. und Interpret selbstverfaßter Protestlieder.

sondern 294,60 (= 100,- Aufwandsentschädigung und dreimal 35 Mark Tagegeld für Hotel und Verpflegung und 89,60 Mark Rückfahrkarte Saarbrücken Essen) noch nicht gekriegt.

Brebach (Saarland) DR. FRANZ J. DEGENHARDT

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