Zur Ausgabe
Artikel 5 / 119
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Hausmitteilung 7. Mai 2007 Kempowski

aus DER SPIEGEL 19/2007

Formell sollte es ein Besuch zum Geburtstag sein, mit Geschenken und Glückwünschen, aber in Wahrheit war es auch ein Abschied: Der Autor Benjamin von Stuckrad-Barre, 32, traf im April gleich zweimal den schwerkranken Schriftsteller Walter Kempowski, 78. »Fröhlich nicht, aber doch heiter« sehe er dem Ende entgegen, erzählte Kempowski und nahm damit dem Besucher die Angst, über das Unvermeidliche zu reden. Der alte und der junge Schriftsteller kennen sich seit 1999, als Stuckrad-Barre sich unter falschem Namen bei einem Tagebuchseminar Kempowskis angemeldet hatte. Die Tarnung hielt damals bis zur Pause. Kempowski lud Stuckrad-Barre zum Spaziergang in den Garten, ließ ihn merken, dass er durchschaut war: »Aha, Sie wollen also Herr Munz sein?« Als Stuckrad-Barre ihn jetzt am Krankenbett besuchte, gab Kempowski seinem Gast eines mit auf den Weg: »Wer Schriftsteller ist und kein Tagebuch schreibt, ist irgendwie schiefgewickelt.« Seitdem macht Stuckrad-Barre jeden Tag Aufzeichnungen, zum ersten Mal in seinem Leben (Seite 170).

Zur Ausgabe
Artikel 5 / 119
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.