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700 Tips zur Empörung

aus DER SPIEGEL 42/1992

Die Bundesgeschäftsstelle der Jungen Union gibt den rund 700 Kreisvorsitzenden der CDU-Nachwuchsorganisation Hilfestellung bei der Verurteilung von Gewalt gegen Ausländer. In einer bundesweit versandten »Musterpresseerklärung« werden die örtlichen Funktionäre angeleitet, Empörung über Ausländerfeindlichkeit zu formulieren und sie dann den Lokalzeitungen zuzusenden. Der vorformulierte Text enthält Auslassungen, in die die Kreisvorsitzenden nur noch ihren Namen und den Ort von Ausschreitungen eintragen müssen: »Der Kreisvorsitzende der Jungen Union . . . hat die gewalttätigen Ausschreitungen gegen Ausländer/Asylanten/das Ausländerwohnheim in . . . als ,eine Schande für uns alle' bezeichnet und gefordert, gegen die Gewalttäter mit aller Strenge vorzugehen und sie zu bestrafen.« Die Bundesgeschäftsstelle formulierte sogar einen »alternativen Text« für den Fall, daß Brandsätze geworfen wurden. Dann sollen die Kreisvorsitzenden erklären: »Wer Brandsätze in Zimmer wirft, in denen sich Menschen befinden, ist ein potentieller Mörder und muß als solcher bestraft werden!«

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