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Hausmitteilung 8. April 2002 China

aus DER SPIEGEL 15/2002

Für die Herrscher des chinesischen 1,3-Milliarden-Volkes sind Interviews mit der westlichen Presse keine Selbstverständlichkeit, jede Begegnung mit Journalisten ist ein Politikum. In entsprechend feste protokollarische Formen war das Treffen zwischen Staats- und Parteichef Jiang Zemin, 75, sowie den SPIEGEL-Redakteuren Stefan Aust, 55, Stefan Simons, 51, und Andreas Lorenz, 49, gegossen. Einen Teil ihrer Fragen hatten die Journalisten bereits Wochen vorher schriftlich einreichen müssen - und wie in alten Sowjetzeiten wurden diese dann auch so beantwortet. Vergangenen Mittwoch nun empfing der Präsident des bevölkerungsreichsten Landes der Erde die SPIEGEL-Redakteure im abgeschotteten Regierungsviertel Zhongnanhai zum Gespräch - und begrüßte sie in akzentfreiem Deutsch. Während seiner Studienzeit habe er sich oft in Goethes »Faust« vertieft, sagte er blumig: »Ihn hundertmal zu lesen reicht nicht aus.« Wie wichtig Peking die Beziehungen zu Berlin sind, zeigten die staatlich kontrollierten Medien: Die Begegnung zwischen Jiang und den deutschen Journalisten war Spitzenmeldung im Fernsehen und stand noch vor der Nachricht über ein Treffen Jiangs mit EU-Außenkommissar Chris Patten. Die »Wirtschaftszeitung« und die populäre chinesische »Jugendzeitung« erwähnten den SPIEGEL-Besuch auf dem Titel (Seite 158).

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