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Briefe

Abenteuerliche Behauptungen
aus DER SPIEGEL 31/1979

Abenteuerliche Behauptungen

(Nr. 28/1979, Gesellschaft: Graphiker Klaus Staeck über Zensur und Selbstzensur)

Die abenteuerlichen Behauptungen des Graphikers Staeck über »Zensur« sind entweder eine fixe Idee oder die bewußte Diskriminierung aller, die sich gegen die graphische Aggression des Herrn Staeck zur Wehr setzen.

Die Masche des Herrn Staeck besteht darin, seine politischen Kampfplakate zur »Kunst« zu erklären, um sie damit der politischen Kritik zu entziehen und alle, die es dennoch wagen, diese politische Hetze als das zu bezeichnen, was sie ist, als »Kunstbanausen« abzuqualifizieren.

Wenn Staeck seine politischen Gegner wie im Falle Franz Josef Strauß als blutverschmierten Metzger unter der Überschrift »Entmannt alle Wüstlinge« mit langem Messer in der Hand darstellt oder ihm im anderen Falle eine Maschinenpistole in die Hand drückt, dann muß er sich eben gefallen lassen, daß man die Öffentlichkeit darauf hinweist, daß dieses dieselben Methoden sind, mit denen auch die Nazis ihre politischen Gegner madig gemacht haben. Die Beispiele könnten beliebig vermehrt werden, um eindeutig nachzuweisen, daß Staeck mit Stilmitteln arbeitet, die den Gegner, den er angreift, außerhalb des Bereiches demokratischer Diskussion stellen und zum »Feindbild« stempeln, gegen das Emotionen mobilisiert werden sollen. So empfindlich Staeck auf den Vorwurf faschistischer Methoden reagiert, so eifrig zeiht er selbst seine Gegner des »Faschismus«. Beispiele gibt es auch dafür genug (siehe Buchtitel: »Unser Faschismus nebenan«, der die griechische Militärjunta unter Photos von Strauß und Springer zeigt).

In seinem Buch »Zur Funktion des Bildes im deutschen Faschismus« beschreibt Hermann Hinkel (ganz gewiß kein CDU-Mann), daß die Nazis in ihrer Horrorpropaganda zum Beispiel King Kong als Ungeheuer zur Darstellung des Feindes benutzten.

Genau dasselbe aber tut auch Herr Staeck mit seinem »Kunstwerk": »Die CDU hat die besten Teufeisaustreiber«. In unserem demokratischen Staat gibt es Freiheit für Herrn Staeck. Das ist gut so. Aber er muß sich wohl oder übel auch daran gewöhnen, daß es Freiheit für die gibt, die sich gegen ihn wehren.

Bonn/Melsungen WILFRIED BÖHM CDU/MdB

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