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Abmarsch in den Ruhestand

aus DER SPIEGEL 34/1979

Als »ziemliche Biesterei des CSU-verseuchten Apparats gegen einen Sozialdemokraten« kommentierte ein sachkundiger Bonner Staatssekretär die Affäre um eine Liebschaft des BND-Vizepräsidenten Dieter Blötz. Dennoch bezweifeln Experten des Bundeskanzleramtes, daß der Genosse im Bundesnachrichtendienst zu halten ist.

Lange Zeit hatten der für den BND zuständige Kanzleramtsstaatssekretär Manfred Schüler und der neue BND-Chef Klaus Kinkel gezögert, ehe sie ein Vorermittlungsverfahren wegen disziplinarrechtlicher Verfehlungen gegen den Geheimdienstvize in Gang setzten. Auslöser waren dann zwei Briefe an den Bundesdisziplinaranwalt Hans Rudolf Claussen. Abgesandt hatte die Schreiben, die auch bei Zeitungen eingingen, das Münchner Anwaltsbüro Elmar Seiler im Auftrag eines anonymen Mandanten, den die Regierung zwar im BND, jedoch nicht in der »Führungsschiene des Dienstes« vermutet.

Der Anonymus hatte mit delikaten Details über ein Verhältnis zwischen Blötz und seiner Sekretärin (Deckname »Nelke"), Ehefrau eines ebenfalls beim BND beschäftigten Majors, berichtet. Die Blötz-Vorgesetzten gingen erst nach ausführlichem Studium des Dienstrechtes gegen Blötz vor. Ein Disziplinarverfahren ist demnach unumgänglich, wenn ein Beamter Beziehungen zu einer untergebenen Kollegin unterhält, deren Gatte in derselben Behörde beschäftigt ist. Ein Fachmann: »Das gilt nicht nur für den BND, sondern selbst bei einer Stelle für Bleistiftverwaltung.«

Das Anschwärzen von Blötz werten führende Bonner Regierungsbeamte als späte Rache jener Unionsseilschaft im Nachrichtendienst, deren Mitglieder nicht vergessen können, daß der damalige Kanzleramtschef Horst Ehmke im Jahre 1969 dem Außenseiter Blötz zur Parteibuchkarriere in Pullach verholfen hatte. Ohne Bedeutung für das Vorermittlungsverfahren blieben Anschuldigungen, die bereits der Bundesrechnungshof untersucht hat: Blötz habe zu Unrecht Trennungsentschädigung abgerechnet und das BND-Flugzeug häufig für Wochenendbesuche bei seiner Familie in Hamburg benutzt. Verdacht auf Verletzung von Sicherheitsinteressen des Dienstes lag nicht vor, Blötz wurde nach Information über die Vorermittlungen auf Dienstreise ins Ausland geschickt und letzten Freitag ins Kanzleramt zitiert.

Obwohl sich Blötz inzwischen scheiden ließ und seine »Nelke« heiraten will, sehen seine Vorgesetzten kaum noch eine Chance, dem politischen Beamten um des Arbeitsfriedens willen den Abmarsch in den einstweiligen Ruhestand zu ersparen.

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