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Briefe

Abschied von der Ethik
aus DER SPIEGEL 42/1993

Abschied von der Ethik

(Nr. 39 bis 41/1993, SPIEGEL-Serie: Peter Brügge über Ausbreitung und Mißbrauch der »Chaostheorie")

Ich stimme Ihnen im großen und ganzen zu. Als ich vor einigen Jahren die erste Chaos-Zeitschrift begründete (mit M. Feigenbaum, Otto Rössler und I. Prigogine), habe ich eigentlich hauptsächlich die Anwendung in der Technologie im Auge gehabt. Mittlerweile mußte ich feststellen, daß es leider sehr wenige praktische Anwendungen gibt und diese meistens auf Übertreibungen basieren, besonders was die Mechanik betrifft. Dafür ist sicherlich, zumindest zum Teil, die in der ganzen Welt aus Amerika importierte Forschungsfinanzierungspolitik schuld. *UNTERSCHRIFT: Cambridge (Engl.) PROF. M. S. EL NASCHIE Department für Angewandte Mathematik und Theoretische Physik, Universität Cambridge

Ein sehr guter Artikel: objektiv und gründlich recherchiert, brillant abstrahiert. *UNTERSCHRIFT: Leipzig DR.-ING. FLORIAN WENDT

Mit derart unqualifizierten Beiträgen erinnern Sie doch sehr an die Haltung der katholischen Kirche zu den Errungenschaften eines Galilei oder Kopernikus. *UNTERSCHRIFT: Bochum VOLKER GRIGO

Einer der Apologeten und Gurus des Chaoskultes, Gerd Gerken, von vielen Vorständen großer bundesdeutscher Unternehmen als Zukunfts- und Trendforscher favorisiert, geht noch weiter: Er fordert die »Ekstase des täglichen Chaos« in unserer Gesellschaft und insbesondere im Management. Damit ist explizit der Abschied von Kultur und Ethik gemeint. *UNTERSCHRIFT: Berlin ROGER WISNIEWSKI

War es bisher für die Zeitschriften medienwirksam, in spektakulären Übertreibungen die »Chaostheorie« vorzustellen, so hat der SPIEGEL jetzt die Medienwirksamkeit entdeckt, diese Übertreibungen an den Pranger zu stellen und dabei uns, die Opfer des Medienspektakels, zu Tätern zu machen. *UNTERSCHRIFT: Frankfurt a. M. PROF. THEO GEISEL Johann Wolfgang Goethe Universität Fachbereich Theoretische Physik

Wer wie Peter Brügge beim Thema Chaos vor allem die Trittbrettfahrer geißelt, den Rundungsfehlern in Computern nachgeht und die Spekulationswut mancher Forscher offenlegt, verpaßt das Wesentliche: Wir erleben ein gewaltiges Umdenken, einen Wandel im wissenschaftlichen Weltbild. *UNTERSCHRIFT: Hamburg CHRISTOPHER SCHRADER Redaktion Geo

Peter Brügges Analyse belegt, warum das beliebte Thema in allen Medien notwendigerweise und unisono zum Preislied über die herrschenden Chaostheorien mutieren mußte. Das notwendige Hintergrundwissen ist zu umfangreich, die mathematischen Details zu diffizil, als daß selbst der interessierte Wissenschaftsjournalist normalerweise den dafür erforderlichen Zeitaufwand aufbringen könnte. Der SPIEGEL hat mit seiner kompromißlosen Chaosentmystifizierung einen nachahmenswerten Standard für anspruchsvolle und dennoch spannende Berichterstattung gesetzt. *UNTERSCHRIFT: Karlsruhe KLAUS PODUBECKY

In der Wissenschaft gibt es keine Unschuldsvermutung wie im Rechtsstaat; der seriöse Wissenschaftler wird im Zweifel seine »Unschuld« beweisen - mit allen verfügbaren Mitteln und entsprechend dem »State of the Art«. Offenkundig versuchen die beiden Bremer Mathematiker Peitgen und Richter, ein besonderes wissenschaftliches Ethos zu etablieren: Erlaubt ist, was gefällt. Und darüber entscheidet der Markt und nicht die Mathematik. Hier haben wir den wirklichen Skandal. *UNTERSCHRIFT: Forstinning (Bayern) M. LAUSTER

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