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Briefe

Absolut echt geschildert
aus DER SPIEGEL 8/1994

Absolut echt geschildert

(Nr. 6/1994, Titel: Ein deutsch-deutsches Drama - Die Hundegrenze)

Ich liebe den SPIEGEL und mag Hunde. Aber die Zonengrenz-Schäferhund-Story - bei aller Tiefgründigkeit - kommt mir so vor, als brächte die Tagesschau statt ihrer Topmeldung eine Lesung mit Siegfried Lenz und seinen »Masurischen Geschichten« als Aufmacher. *UNTERSCHRIFT: Nieder-Olm (Rhld.-Pf.) OLDWIG JANCKE

Ihre Titelgeschichte ist viel wichtiger für das Verständnis der deutschen Nachkriegsgeschichte als der ganze Medienrummel um die Exegese und die Aussagekräftigkeit von Gauck-Akten. Wenn programmatisch in Umlauf gebrachte Worthülsen wie Aufarbeitung der DDR-Geschichte vielleicht doch noch einen Inhalt bekommen sollten, dann solchen. Ich werde Ihre Geschichte für DDR-Nostalgiker in meinen Seminaren zur Pflichtlektüre machen und für die Wessis zum Klausur-Thema vorschlagen. *UNTERSCHRIFT: Berlin PROF. DR. EWALD LANG Humboldt-Universität Fachbereich Germanistik

Die Hunde bekommen in der Beschreibung Marie-Luise Scherers die Würde von Menschen; die Menschen geben das Bild von Hunden ab. Aber man muß deutlich hinzufügen: Auch im Westen gibt es diesen untertänigen, zu jeder Schlechtigkeit bereiten Menschentyp, nur daß er gar nicht dieser unglaublichen Erpressung ausgesetzt ist, so zu sein. *UNTERSCHRIFT: Hattingen (Nrdrh.-Westf.) DIETMAR FRITZE

Mir imponiert am meisten, daß es Ihnen gelungen ist, die Grenze, das sogenannte Grenzregime, die Grenzer, das Leben in der DDR so zu schildern, wie wir es erlebt haben. Die DDR-Bürger in Ihrer Reportage sind absolut echt geschildert, so wie sie waren, ohne Häme, ohne Beschönigung, ohne Verleumdung, ohne Verklärung, ohne Gehässigkeit. Das als Außenstehender so hinzukriegen! *UNTERSCHRIFT: Berlin KLAUS POLKEHN

Vor meinen Augen entstand das Panoptikum einer »Trassengesellschaft«, die sich - bemüht, den Schein für die »gute Sache« peinlichst einzuhalten - in Wirklichkeit immer nur in kleinen Ovalen um das eigene »Revier« drehte und in »großen Ovalen« für den eigenen Erhalt sorgte, sei es, um heimliche Tauschgeschäfte quer durch die Republik zu tätigen, sei es, um die eigene Anwesenheit zu demonstrieren, den Platz zu behaupten. *UNTERSCHRIFT: Duisburg LEONA RIEMANN

Ja, so waren sie, die Herrschenden und deren Gesellen. So spießbürgerlich, so gemein, brutal und mörderisch. Wer es nur ahnte, weiß es jetzt genau. *UNTERSCHRIFT: Berlin EZARD HAUSSMANN

Mit der Schilderung des trostlosen Schicksals der Mauerhunde hätten Sie einen schonungslosen Tatsachen-Bericht nachbereiten können, der uns nachträglich noch die Schamröte über diese alltägliche menschliche Ignoranz gegenüber unseren Mitlebewesen ins Gesicht treibt. Schade! Statt dessen verschwenden Sie viele Seiten mit zusammenhanglosem Gelaber über diesen und jenen tumben Zeitgenossen, der unbeteiligt zuschaut, wie vor seinen Augen Tiere vergammeln müssen. *UNTERSCHRIFT: Ober-Ramstadt (Hessen) RITA RODEWALD

Eine lesenswerte Reportage mit stellenweise literarischen Qualitäten. Eine hoffentlich nicht einmalige Erscheinung im SPIEGEL. *UNTERSCHRIFT: Schulensee (Schlesw.-Holst.) INGO-MICHAEL VON GROELING

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