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ELFENBEINKÜSTE Absolut wahnsinnig

Alleinherrscher Houphouet-Boigny setzt sich ein Denkmal - mit der größten Basilika Afrikas. *
aus DER SPIEGEL 34/1987

Jeden Tag ist die alte Frau auf der Baustelle. Mehrere Stunden steht oder kniet sie im Gewimmel der Arbeiter und Lieferanten und betet.

Die Gläubige heißt Moh Fetai und ist die ältere Schwester des Staatspräsidenten der Elfenbeinküste, Felix Houphouet-Boigny, 81. Die alte Dame erbittet Gottes Segen für ein monströses Vorhaben: den Bau von Afrikas größter römisch-katholischer Basilika.

Sie entsteht rund 250 Kilometer nordwestlich von Abidjan in Yamoussoukro,

seit 1983 politische Hauptstadt der ehemaligen französischen Kolonie - dem mit Kongreßzentrum und Flughafen aufgeputzten Geburtsort des katholischen Alleinherrschers Houphouet-Boigny. Seit Monaten dröhnen Baumaschinen im Busch, schuften 800 Arbeiter unter Anleitung französischer Ingenieure im Ackord. Im September 1989 soll der erste Gottesdienst stattfinden.

Der 360 Meter lange Komplex »Notre-Dame de la paix«, von einem libanesischen Architekten entworfen, gerät nach dem Willen der Planer zu einem einzigen Superlativ. Auf dem Terrain, ganz dem Petersplatz in Rom nachempfunden steht der Dom mit einer 60 Meter hohen Kuppel, die von Säulen aus weißem Beton getragen wird. Hier sollen einmal 18000 Menschen beten können.

Daß der Kirchenkoloß etwas niedriger ausfällt als der 137 Meter hohe Petersdom in Rom, ist ein Zugeständnis an den Vatikan. Der hatte verlangt, die afrikanische Basilika bescheidener zu halten als das Zentrum der Katholiken.

Er allein und nicht der Fiskus, so behauptet Houphouet-Boigny jedenfalls, bezahle den Prestigebau. Die Kosten schätzen Experten in Abidjan auf rund 100 Millionen US-Dollar.

Nicht unwahrscheinlich, daß der Sohn eines Häuptlings und Plantagen-Besitzers die Summe tatsächlich selbst aufbringt. Der gelernte Arzt und ehemalige Minister französischer Nachkriegsregierungen war größter Ananas-Exporteur des Landes. Sein geschätztes Privatvermögen: vier Milliarden US-Dollar.

Houphouet-Boigny möchte mit dem Projekt weniger die katholische Minderheit (zwölf Prozent der Bevölkerung) beglücken - die hat schon aus Anlaß des Papst-Besuches vor zwei Jahren in Abidjan eine riesige Kathedrale in Form eines Nomadenzelts bekommen. Anliegen des Präsidenten ist vor allem, heißt es in der Hauptstadt, das neue Gotteshaus später als Familiengruft zu nutzen.

Den Plan, sich ein derart protziges Denkmal zu setzen, empfinden westliche Banker denn auch als »absolut wahnsinnig«, so ein Repräsentant der Weltbank in Abidjan. Denn die Elfenbeinküste drittgrößter Kaffee- und größter Kakao-Produzent der Welt und ehemals Wirtschaftswunderland Afrikas mit Zuwachsraten von acht Prozent, hat inzwischen Auslandsschulden von 8,3 Milliarden US-Dollar. Die für 1987 fälligen Rückzahlungen von 750 Millionen Dollar wurden jüngst storniert.

Schuld daran sind die gesunkenen Weltmarktpreise für Kaffee und Kakao sowie der Dollarverfall. Gleichwohl geht es den knapp elf Millionen Einwohnern im Vergleich zu ihren Nachbarn noch gut, die zu Tausenden einwandern, um etwas vom Wohlstand der Elfenbeinküste abzubekommen.

Entwicklungshelfer in Abidjan fürchten nun, der Kirchenbau werde die Debatte über Sinn und Unsinn der Zuwendungen für Afrika wieder aufleben lassen und sich auf die Gebefreudigkeit der Europäer negativ auswirken. Die Folgen hätten dann ärmere Länder als die Elfenbeinküste zu tragen.

Doch der »Weise von Afrika«, wie Houphouet-Boigny von seinen Untertanen genannt wird, läßt sich nicht beirren. »Wie arm«, entgegnet er Kritikern, »waren die Franzosen, als sie Versailles bauten? Heute zahlen die Leute viel Geld, um den Spiegelsaal zu sehen.« _(1985 mit dem französischen Staatschef ) _(Mitterand in Paris. )

1985 mit dem französischen Staatschef Mitterand in Paris.

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