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Ärger mit Fragebogen

aus DER SPIEGEL 19/1976

Das Bundesverteidigungsministerium ist in den Verdacht geraten, kurz vor der Bundestagswahl bei Kompaniechefs und Rekruten Gesinnungsschnüffelei zu betreiben. 3500 Einheitsführer und 1000 Wehrpflichtige erhielten in den letzten Tagen einen 31 Seiten starken Fragebogen, in dem nicht nur nach der Qualität des staatsbürgerlichen Unterrichts, sondern auch nach dem Wahlverhalten und der Mitgliedschaft in Parteien und Gewerkschaften geforscht wird. Den Fragebogen-Empfängern wird vom Streitkräfteamt in Bad Godesberg zwar strikte Anonymität ("Geben Sie nirgendwo Ihren Namen oder Ihre Anschrift an") zugesichert, doch können mit Geschick verteilte Fragen nach Dienstgrad, Funktion und Laufbahn zweifellos Aufschluß über die Identität der Absender geben. Mehrere Adressaten haben sich bereits in Bonn über die Meinungsumfrage beschwert. Ein Kompaniechef: »Übelste Gesinnungsschnüffelei.« Dagegen der Politologe Pudzicha vom Streitkräfteamt, der gemeinsam mit Psychologen, Volkswirten und Pädagogen den Fragebogen entworfen hat: »Uns geht es wirklich nur darum, ein exaktes Bild über Form und Inhalt der politischen Bildung in der Bundeswehr zu gewinnen. Wir können, dürfen und werden die Anonymitäten nicht brechen.

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