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Ärzte-Streit um Aids

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aus DER SPIEGEL 36/1987

Unter bundesdeutschen Ärzten ist ein heftiger Streit um richtige Maßnahmen gegen Aids entbrannt. Die Werbetrommel für ein bundesweites Aids-Gesetz mit Meldepflicht nach bayrischem Vorbild rührt der Direktor der Münchner Medizinischen Poliklinik, Professor Nepomuk Zöllner. Per Unterschriften-Aktion ruft er alle Professoren der inneren Medizin zur Solidarität auf. Seine »öffentliche Erklärung« enthält neben Breitseiten gegen Gesundheitsministerin Rita Süssmuth (Bonn sei »erstaunlich wenig aktiv") die Forderung nach staatlichen Zwangsmaßnahmen. Der Berliner Professor Hans Pohle befürchtet, daß viele Kollegen, die sich mit dem Thema nicht auskennen«, die Erklärung unterschreiben, »weil sie die richtige Forderung nach mehr Geld für Behandlungszentren unterstützen«. Zöllner wolle sich mit seiner Aktion jedoch nur »für den Bayerischen Verdienstorden profilieren«. In einem offenen Brief fordert Pohle seinen Münchner Kollegen auf, »ehrlich und deutlich« zu sagen, daß er für die »von Ihrem Staatssekretär Gauweiler in Gang gesetzte Law-and-order-Bewegung« Unterstützung suche. Durch Gesetze könne man Aids nicht eindämmen, es sei denn, man zöge alle Infizierten »im Sinne einer Endlösung auf Dauer aus dem Verkehr«.

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