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MODERNES LEBEN Ästhetik und Nutzen

aus DER SPIEGEL 37/1989

Die Vopos am Grenzübergang Hof waren sprachlos. Ein bis unters Dach mit 150 DDR-Gebrauchsgütern gefüllter Wagen, im Kofferraum so banale Dinge wie Seife und Hocker, befand sich auf dem Weg in die Bundesrepublik. Grund des ungewöhnlichen Einkaufsbummels: die Ausstellung »S.E.D. - Schönes Einheits-Design« in der Galerie Habernoll in Dreieich-Götzenhain, wo die komplette Fracht bis zum 30. September zu besichtigen ist. Die exotisch anmutende Schlichtheit einer Flasche »Club-Cola« zum Beispiel, eines Brotrösters oder auch einer Reiseluftdusche (westdeutsch: Fön) zeigt deutlich, daß es den Formgebern der volkseigenen Kombinate ausschließlich auf die schiere Nützlichkeit ankommt - und nicht, wie ihren hiesigen Kollegen, auf Konsumanreiz durch grelle Warenästhetik. Zweckorientierung auch beim Material: Aus wiederaufgearbeitetem Bakelit entstanden so unterschiedliche Waren wie Haarbürsten und Kabelrollen ("Stromfix"). Politisches Feingefühl veranlaßte die Organisatoren indessen, auf das Sinnbild sozialistischen Designs zu verzichten. Die Präsentation eines »Trabi« war Mitveranstalter Christian Habernoll »wegen der Vorgänge in Ungarn denn doch zu zynisch«.

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